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17.02. 2010
"ALLES AUSSER Metropole Ruhr IST SCHEISSE!"
Als kulturschaffender Ruhrpottler freue ich mich natürlich besonders über "Kulturhauptstadt Ruhrgebiet 2010". Obwohl beim Begriff "Ruhrpottler" das Problem schon anfängt: Fühle ich mich überhaupt so, gibt es diese gemeinsame Identität?
Oft wird man dieser Tage auch von Auswärtigen gefragt: Bist Du eher Ruhri oder doch eher Bochumer oder Mülheimer? Ihr alle im Ruhrgebiet, seid ihr jetzt gefühlte Metropole Ruhr, oder ist doch eher ein engerer städtischer Lokalpatriotismus mit gegenseitigen Animositäten da?
Und ich sage dann: "Beides."
Und wenn der Auswärtige daraufhin meint: "Aber wie soll das denn gehen, beides? Das ist doch ein Widerspruch, ist doch absurd", entgegne ich: "Ja, es ist ein Widerspruch, ja, es ist absurd, aber es geht trotzdem." Und schildere ihm folgende Situation, die bei uns im Ruhrgebiet passiert und die hier ganz normal ist:
60000 Menschen befinden sich in einem Fußballstadion.
An dieser Stelle sollte ich die nicht so hartgesottenen und fußballkulturell weniger gebildeten Leserinnen und Leser vorwarnen: Die Wortwahl im Stadion ist durchaus als, nun ja, sagen wir "erdig und direkt" zu bezeichnen. Oder, wie es Grönemeyer jüngst formulierte: "ballverliebt, schnackellos."
Im Fußballstadion sind also nun auf der einen Seite 30000 schwarzgelb gekleidete und auf der anderen 30000 blauweiß gekleidete Ruhrpottler versammelt.
Und die 30000 Schwarzgelben rufen im Chor den 30000 Blauweißen zu:
"HIER
REGIERT
DER BVB!"
Daraufhin skandieren die 30000 Blauweißen:
"AUSWÄRTSSIEG!
AUSWÄRTSSIEG!"
Daraufhin singen 30000 Schwarzgelbe:
"IHR SEID NUR EIN PUNKTELIEFERANT!!"
Daraufhin rufen 30000 Blauweiße:
"IHR SEID TOTAL
ASOZIAL!!"
Daraufhin grölen 30000 Schwarzgelbe:
"IHR SEID SCHALKER,
ASOZIALE SCHALKER,
IHR SCHLAFT UNTER BRÜCKEN
ODER IN DER BAHNHOFSMISSION!!"
Daraufhin brüllen 30000 Blauweiße:
"EURE MÜTTER
KLAUN BEI KIK!!!"
Daraufhin...
...jubeln 60000, weil auf der Anzeigentafel eingeblendet wird, dass Bayern gegen Bochum 0:1 zurückliegt.
Daraufhin skandieren 60000 eine Minute lang:
"RUHRPOTT!
"RUHRPOTT!!
"RUHRPOTT!!!"
Und sie sehen in den Block gegenüber dabei, erahnen in der Ferne ihnen zugewandte Gesichter, lächeln, und ihnen wird warm ums Herz.
"RUHRPOTT!!
RUHRPOTT!
Ruhrpott!"
Und dann ebbt es ab, und dann wird es auf einmal ganz ruhig, und dann ist es ein paar Sekunden lang ganz still.
Ganz still.
Und dann singen 30000:
"IHR SEID SCHEISSE
WIE DER FCB!"
Und 30000:
"IHR SEID TOTAL
ASOZIAL!!"
Und 30000:
"EURE MÜTTER
KLAUN BEI KIK!!!"
Ja, das ist unsere Mentalität im Ruhrpott. Absurd, aber es geht.
Doch in diesem Jahr soll es anders sein!
Denn WIR sind schließlich Kulturhauptstadt, wir alle, ja, wir sind wieder wer. Ziehen wir also gemeinsam an einem Strang!
Was mich angeht, kann ich nur sagen:
Ja, ich fühle mich schon total Metropole Ruhr!
In diesem Sinne schöne Grüße aus dem und in den Pott,
herzlichst,
Christian Hirdes
P.S. (nur rein fußballerisch): "Alles außer Bochum...;-)"
17.02. 2010
"Rahn schießt..."
Unser ganzes Leben, der ganze Alltag, all unsere Eigenarten und auch Klischées sind ja jetzt Kultur. Dieses Jahr. Also natürlich auch der Fußball.
Haben Sie's schon gesehen? Was die zum Kulturhauptstadtjahr an der A 40 gemacht haben, in Essen, wo die ganzen Brücken sind?
Ich sage nur: WM 54...?
Also, für alle, die es noch nicht gesehen haben: Wenn man jetzt von Duisburg/Mülheim aus die A40 Richtung Dortmund langfährt, sieht man irgendwann auf einer Brücke, unter der man hermuss, groß angeschlagen die Worte:
"Rahn müsste schießen Pünktchen Pünktchen Pünktchen".
Und man denkt: Aha, Herbert Zimmermann. Falsch zitiert und trotzdem sofort alles klar.
Und ein paar Kilometer weiter kommt dann auch eine zweite Brücke, und auf dieser ist zu lesen:
"Pünktchen Pünktchen Pünktchen Rahn schießt Pünktchen Pünktchen Pünktchen".
Und dann, wieder ein paar Kilometer weiter...
...kommt meine Autobahnausfahrt.
Und für alle, die jetzt immer noch nicht wissen, worum es geht: Also, bei der WM 1954, wo der Essener Helmut Rahn, der Boss, das entscheidende 3:2-Siegtor für Deutschland erzielte, gab es diesen berühmten Radiokommentar von Herbert Zimmermann. Wenn Sie Deutscher mit Migrationshintergrund sind, kennen Sie ihn natürlich, denn dann mussten Sie diesen Text ja zu Recht für den Einbürgerungstest auswendig lernen. Aber auch viele andere werden diese Worte so klar vor Ohren haben wie ich, und für die wenigen anderen will ich sie zitieren:
"Sechs Minuten noch im Wankdorfstadion in Bern, keiner wankt, der Regen prasselt unaufhörlich hernieder. (...) Boszik, immer wieder Boszik, der rechte Außenläufer der Ungarn, am Ball. Er hat den Ball - verloren diesmal gegen Schäfer, Schäfer nach innen geflankt, Kopfball, abgewehrt,
aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen,
Rahn schießt,
TOOR, TOOR, TOOOR, TOOOOR!!!"
Diesen Torschrei kann ich nicht imitieren, das können andere besser. Nur als Beschreibung: Da entlädt sich einiges. Sagen wir, es ist ein Orgasmus, wie man ihn in deutschen Sportkommentaren nie wieder gehört hat. Mögen Frauen auch jetzt denken, "Wie kann man einen Torschrei nur mit einem Orgasmus vergleichen?", mögen Sie mich für verrückt halten oder übergeschnappt, - doch jeder Mann wird mich verstehen.
Und dieses Orgastische ist nun eben auch mein Problem. Wie soll ich es beschreiben? Nun, es geht um Spannung und Entspannung. Sie kennen den Begriff "Koitus interuptus"...?
"Rahn müsste schießen...".
Ja, hau ihn rein!
"...Rahn schießt...!
Jawoll, richtig so, zieh ab!!
"Rahn schießt!"
Und? Trifft er ins Tor?? Na???
"Rahn schie-hießt!!!"
Ich jedenfalls muss jetzt jeden Tag auf dem Nachhauseweg eine Ausfahrt später rausfahren, es geht einfach nicht anders.
"Kultur"
Ein Lied für die Region,
und jeder ist ein Teil davon,
wir sind jetzt Metropole Ruhr.
Du hast zwar lang schon keine Kohle mehr,
doch Ruhrgebiet, jetzt bist du wieder wer:
Du bist Kultur. Ist ja alles Kultur.
Wie freu ich mich, vor Freude heulte Wasser ich und Rotz.
Kulturhauptstadt, hurra, da mach ich mit als Kind des Potts.
Zum Beispiel kauf ich sonst Getränke im Getränkeshop,
der liegt beim Einkauf auf dem Weg, gut für n Zwischenstopp.
Doch nun pack ich stattdessen meinen Trainingsanzug aus
und zieh den an und gehe dann am Abend aus dem Haus
und lauf zur Bude, kaufe Pils und mache auf beschwippst
und warte noch vorm Kiosk, dass mich ein Japaner knipst.
Ich tu's für die Region
denn ich bin auch ein Teil davon.
Ich bin so Metropole Ruhr!
Und wenn ich dann Frau Tomczyk glotzen seh
am Fenster, ist es dieses Jahr okay:
Ist ja Kultur. Ist ja alles Kultur.
Im Schrebergarten wullackt Rentner Krause Samstags nur,
das ist Kultur, Kultur.
Frau Stein hängt Wäsche auf im Garten, Omma putzt den Flur,
das ist Kultur, heißt jetzt alles Kultur.
Nadine bestellt Döner mit alles, Ahmed Pommes pur,
das ist Kultur, Currywurst!
In Herne, Castrop-Rauxel, Oberhausen, Mülheim an der Ruhr,
Kultur, rund um die Uhr.
Und wie ein Teil in einem großen Bild sitz ich hier still.
Dass ich doch nicht noch mal zu spät zur Arbeit kommen will,
vergesse ich beinah, an diesem Ort, den jeder kennt,
den man Idylle, Paradies und, ja, A 40 nennt.
Was für ne Installation!
Und ich bin auch ein Teil davon.
Ich fühl mich Metropole Ruhr!
Früher hätt ich gesagt: "Verdammter Stau."
Doch es ist mehr, ich spür es ganz genau:
Das ist Kultur, ist ja alles Kultur.
In Dortmund-Aplerbeck, in Essen-Schuir, in Gelsenkirchen-Buer
Kultur, Kultur!
Karl-Heinz steht an der Theke, strötenstramm um 14 Uhr,
das ist Kultur, ja Kultur!
Ins Stadion
geht die Ivonne,
ins Schauspielhaus
der Klaus,
es treibt sie zur
Kultur.
Chantal läuft bauchfrei rum im März, und das mit der Figur,
na, ja: Kultur, ist halt Kultur.
Ein Lied für die Region,
und jeder ist ein Teil davon,
wir sind jetzt Metropole Ruhr.
Du hast zwar lang schon keine Kohle mehr,
doch Ruhrgebiet, jetzt bist du wieder wer:
Du bist Kultur. Ist ja alles Kultur.
6.08.09
Die besten Reime der "Ärzte"
Als Reimfetischst UND Ärzte-Fan freute ich mich am vergangenen Wochenende sehr über eine lobenswerte Arbeit in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (auch im Netz zu finden), in der Bert Giesche aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums des ersten Ärzte-Albums "Debil" eine Würdigung der besten Band der Welt vornahm und hierbei eine Auflistung der (aus seiner Sicht) 25 besten Reime aus dem Oeuvre der Ärzte anbot. Eine schöne und inspirierende Idee.
"Nur wenige wortgewaltige Landsleute - Joachim Ringelnatz, Heinz Erhardt und Robert Gernhardt fallen einem spontan ein - haben sich so um unser Reimwesen verdient gemacht" stellt der Autor richtig fest.
Doch da ich mich seiner Auswahl an Reimen bzw. Versen nicht vollends anschließen kann, möchte ich hier seine Arbeit um 25 weitere großartige Beispiele für die lyrische Kunst der "Ärzte" ergänzen. Hier also alternativ meine eigene Top 25:
25. "und die [Blumen] bringt es seiner Mutter
in die Küche zum dran schnuppern" (Anneliese Schmidt)
(eigentlich eher ein schlechter Reim, aber supercharmant)
24. "Ich will einmal nach Saarbrücken [...]
ich will Haare auf dem Rücken" (Madonnas Dickdarm)
23. "Ich spür's genau im Knie
so verliebt war ich noch nie" (Alleine in der Nacht)
22. "Ich bin immer dann am besten, wenn's mir eigentlich egal ist
Ich bin immer dann am besten, wenn mir keiner ins Regal pisst" (Lied vom Scheitern)
(reimtechnisch eigentlich weiter vorn anzusiedeln, aber mir persönlich ein bisschen zu gewollt...)
21. "vertrocknet ist die rote Rose,
[...] ich glaub ich hab Tuberkulose" (...und es regnet)
20. "Du warst mit ihm essen, natürlich im Ritz
bei mir gab's nur Currywurst mit Pommes Frites" (Zu spät)
19. "Ich sag Euch: Nee, nee, nee,
da trink ich doch liebr Tee" (Lieber Tee)
18. "Was immer du befiehlst, ich tu's
ich küss die Spitze deines Schuhs" (Bitte bitte)
17. "Zwei hatten Pfeil und Bogen und einer ein Beil
und ich wusste: Die warn auf meine Kopfhaut geil" (Kopfhaut)
16. "Sie war ein traumhaftes Mädchen,
kein Doofie und Blödchen" (Die Banane)
15. "Und Erna P. wohnt Parterr'
und hinterm Vorhang steht ein Herr" (Erna P.)
14. "Ich hab nun mal nen Hang
zu Amüsement" (Party stinkt)
13. "Man könnte sie jetzt wunderbar als Postpaket verschicken" (Sweet sweet Gwendoline)
12. "Gleich sind die drei Minuten um, so langsam wird es wirklich eng
und darum hören wir jetzt auf mit diesem schönen Schlussrefrain" (Schopenhauer)
11. "Ich weiß nicht, ob es Liebe ist,
wenn man beim Pinkeln ständig neben's Becken pisst" ("Ich weiß nicht, ob es Liebe ist)
10. "Später spielte ich dann Lotto, natürlich mit System
ich hatte oft drei Richtige, das war ein schönes Leb'n" (Nie mehr Krieg, nie mehr las Vegas)
9. "Ein Pferd ist größer noch als du
und man zertritt es nur mit Mühe.
Es gibt auch Pferde, die machen Muh,
doch diese Pferde heißen Kühe" ([Ich will kein] Käfer [sein])
(übrigens meiner Meinung nach einer der besten Ärzte-Texte überhaupt, leider allgemein ein bisschen verkannt)
8. "Wenn Du in einen Spiegel blickst
wird erst mal rücksichtslos gewichst." (3-Tage-Bart)
7. "In Schweden gehn die Uhren an...
...ders, und ich glaub, das liegt daran,..." (Jag älskar Sverige)
6. "Ich rief sofort die Polizei an
und sagte: Kommse schnell vorbei, Mann" (meine Ex...)
5. "Sie ist daran gestorben, mein süßer, kleiner Schatz
ich konnt sie nicht begraben. [...] Auf dem Friedhof war kein Nuts" (Elke, Liveversion auf "Wir wollen nur deine Seele")
4. "Wer genau war Mata Hari?
Wo starb eigentlich James Dean?
Wie viel U/min hat ein Ferrari
und was zum Henker sind U/min?" (Besserwisserboy)
3. "Du steckst jede Mark in Deutschrock und nichts in Van Halen
hast kein Geld auf der Bank, aber Birkenstocksandalen" (Deutschrockgirl)
2. "lesbisch/Esstisch" (Claudia)
1. "Dann geh ich nach Hause, denn zu Hause, da wohn' ich.
Frische Brötchen ess ich am liebsten mit Honig" (Zum Bäcker)
Soweit meine Top 25. Aber man könnte natürlich auch 1000 weitere brilliante Reime der besten Band der Welt finden... Schöne Grüße und beste Wünsche
Christian Hirdes
18.11. 08
Weichei auf Tour
Lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Ich habe Auftritte mit verschiedenen Programmen absolviert, bin viel rumgefahren, zum Beispiel in Meiningen gewesen, wo mitten im letzten Lied der Strom ausfiel und ich den "Anmache"-Auftritt gekonnt und unplugged zu Ende improvisierte. Auch war ich schon wieder zwei Mal in der Schweiz, wo ich in Zeitungen das Wort Fluchtwährung kennenlernte, bevor ich mich zuhause bzw. in der Sparkasse beim Einzahlen meiner Bar-Gagen aufs Konto positiv mit der Bedeutung des Wortes konfrontiert sah. Außerdem habe ich an zwei schönen Radioaufzeichnung teilgenommen, deren erste irgendwann im August 09 in Hessen läuft und die zweite Ende des Monats (29.11.08) im WDR. Desweiteren habe ich ein paar neue, lustige Nummern geschrieben und mein neues Programm überarbeitet. Und bin auch weiterhin noch dabei. Und da wir gerade bei "neu" sind, ist nun der Zeitpunkt gekommen, hier mal folgende Neuigkeit bekanntzugeben.
Mein aktuelles Programm "Lieder wo am Ende jemand stirbt" wird zum 1.1.09 umbenannt. Und zwar in, tata:
"Ein Weichei auf die harte Tour".
Die Gründe für diese Umbenennung sind , ehrlich gesagt, in der Marketing-Abteilung der Christian Hirdes-Entertainment-Group zu finden, welche den ihrer Ansicht nach sperrigen, grammatisch fragwürdigen und zu morbiden Titel "Lieder wo am Ende jemand stirbt" von Vornherein kritisch gesehen hatte, und die sich betriebsintern inzwischen aufgrund nicht näher zu erklärender interner Entwicklungen mit ihrer Ansicht durchgesetzt hat, ein mainstreamigerer Titel könne dem Erfolg des Produktes und damit letzlich des gesamten Unternehmens dienlich sein und 100e Arbeitsplätze sichern.
Die Marketing-Abteilung konnte sich jedoch betriebsintern nicht mit ihrem eigenen Titel-Vorschlag durchsetzen. Dieser lautete:
"Frauen sind dem Dativ, Männer Generation Ü40-Party".
Dabei war das Olympiastadion schon so gut wie gebucht. Stattdessen bin ich nun künftig als Weichei auf die harte Tour auf Tour. Das passt wunderbar ins Programmkonzept, das sich wie angedeutet zur Zeit auch noch ein wenig weiterentwickelt. Und es passt wunderbar zu mir, denn ich merks ja gerade, ich kenns ja, es ist ja so: "Wer früher als schüchtern-schräges Genie durchging, ist heute als Weichei verschrien - und verloren". (Pressetext)
Aber bitte kein Mitleid. Auch nicht, wenn ich nun, nicht etwa, um auf die Tränendrüse zu drücken, sondern allein der Ehrlichkeit halber, der Redlichkeit und Glaubwürdigkeit, der sich ein Mensch verpflichtet fühlen muss, der stets mit so vielen wohlgesonnenen Sätzen aus Pressekritiken seine Homepage gern zu schmücken sucht, der Ehrlichkeit des Chronisten halber, der sich auch der Kritik zu stellen bereit ist, wenn ich nun also zitiere aus einem Presseartikel, der jüngst im Meininger Tageblatt zu lesen war:
"Anmache, die im Finstern endete. Den Hauptakt von Christian Hirdes' Anmache gab's zum Schluss, als er seinen Abschiedssong anstimmte. Alle im Saal sollten die Feuerzeuge anzünden, weil's noch mal gefühlvoll werden sollte. Aber da tat's plötzlich einen Schlag, das Licht ging aus und es war finster im Saal. Doch das hatte sich der Kabarettist und Comedian nicht ausgedacht. Daran waren die Stadtwerke schuld, die nach 22 Uhr für Stromausfall in einigen Meininger Wohngebieten sorgten. Dabei wäre diese Nummer sogar originell gewesen, ein echter Höhepunkt im lauen Programm, das über diesen Kleinkunstabend (...) zäh dahin plätscherte. Ralf Müller (...) an der Technik leuchtete mit seiner Taschenlampe auf die Bühne, da wollte der Bochumer mit seinen Anmachen überhaupt nicht mehr aufhören. Spannung kam auf. Allein das Licht ging dadurch nicht wieder an. Gut so. (...)"
Autsch! Und a propos "in die Eier", gut, dass ich nicht wirklich ein Weichei bin. Und beleidigt bin ich schon mal gar nicht. Wie heißt es: abputzen, weitermachen! Wir brauchen Eier!
Also, die harte Tour geht weiter, mit neuem Titel und trotzdem noch vielen Liedern, wo am Ende jemand stirbt,
Schöne Grüße und beste Wünsche
Christian Hirdes
P.S. Mehr Pressestimmen zum Programm "Anmache" gibt's hier
6.09. 08
Zu meiner neuen CD
Am 27. September erscheint meine neue CD "Lieder wo am Ende jemand stirbt". Sie wird bei Satyr-Records vertrieben, enthält 17 Songs meines gleichnamigen neuen Programms als Studioaufnahmen und ist sehr gut geworden. Bei meinem Auftritt im "Zweischlingen" zu Bielefeld am 27.September wird sie, ja, wie soll ich sagen, "released". Also befreit. Aus ihrer Cellophanverpackung.
Die Inhalte der CD sind sehr poetisch, ruhig und gefühlvoll, aber auch ironisch und/oder lustig, und einige Lieder sind auch wild und subversiv und kapitalismuskritisch.
Vielleicht wird das nicht allen gefallen, denn ich kritisiere das Gründen von Banken, den Media-Markt, Eierschalensollbruchstellenverursacher, die soziale Kälte und die globale neoliberale Diktatur. Das ist hart, und es wird sogar gewiss nicht allen gefallen. Aber das ist nicht schlimm. Ja, vielleicht ist es sogar gut so, denn Kabarett muss ja auch polarisieren. Und ich bin schon auf sehr radikale Art globalisierungs-kritisch in diesem Programm. Also ist es gut, wenn diese CD nicht allen gefällt. Und schlimm ist es schon mal gar nicht. Denn ich lasse sie sehr günstig in der Tschechischen Republik fertigen.
Meistens hört man auf der CD, wie ich Klavier spiele und dazu singe. Manchmal spiele ich aber auch andere Instrumente, und bei einem Lied wird man sogar plötzlich von einem wilden Schlagzeug überrascht, das der große Volker Wendland eingespielt hat. Sehr schön gemischt und gemastert wurde das Ganze von Guntmar Feuerstein im Kopfhörer-Studio in Bochum. Zuerst bin ich da nur hingegangen, weil das nicht mal zwei Kilometer von meinem Zuhause entfernt ist, aber dann habe ich auch gemerkt, dass der geschätzte Kollege Feuerstein auch ein besonders hervorragender Mischer und Produzent ist, der die Sachen fein umgesetzt und mich vor allem oft davon abgehalten hat, zu viel zu machen, eine große Gefahr, wenn man in so einem Studio ist, wo man ganz viele Intrumente und Stimmen und Effekte zusammenmischen kann.
Zu der digitalen CD gibt's noch ein analoges Booklet, sehr schön von Jens Bürger gestaltet, der auch diese Homepage gemacht hat, und in jenem Booklet finden sich zahlreiche Gedichte aus dem Programm in gedruckter Form. Und mein neuer Text "Lisa und ihre vier chinesischen Freundinnen, TEIL 2".
CD und Gedichtband in einem! Und beides sehr schön geworden. Also, je länger ich drüber nachdenke, desto mehr komme ich zum Schluss, dass "Lieder wo am Ende jemand stirbt" wohl doch ALLEN gefallen wird.
5.09. 08
Auftritts-Rückblicke
Boah, war ich letzten Monat in vielen Ländern!
Anfang August arbeitete ich 11 Tage an Bord des Clubschiffs AIDAbella und machte dabei u.a. in Estland (Tallinn), Russland (St. Petersburg), Finnland (Helsinki), Schweden (Stockholm) und Polen (Danzig) Station, alles Länder, in denen ich noch nie zuvor gewesen war. Vier Auftritte in fünf Ländern sozusagen, und ich erspielte mir eine gewisse Stammzuhörerschaft (wovon auch mein Gästebuch zeugt), die ich hoffentlich zum Teil mal irgendwo in Deutschland in einem meiner Abendprogramme wiedertreffen werde. Von Auftritt zu Auftritt wurde ich im Mikrokosmos AIDA bekannter unter den rund 2000 Passagieren, gut, dass die Auftritte erfolgreich verliefen, sonst hätte ich mich tagelang in irgendwelchen Maschinenräumen verschanzen müssen. So aber gab es mit jedem Tag an Bord mehr freundliche Menschen zu grüßen und teilweise näher kennenzulernen auf den Decks und in den Bars, was sehr angenehm war, da ich ja eigentlich eher schüchtern bin und so leicht ins Gespräch kommen konnte.
Als es vorbei war mit der AIDA-Tour, ging's zum Ende des Monats hin auch noch nach Bregenz in Österreich, wo ich mir in einem schicken Festivalzelt am Bodensee einen Abend mit der wunderbaren Kollegin "La Signora" aus Oberhausen teilte, und dann direkt nach Gerlafingen in die Schweiz, wo ich im dortigen "Kulturkeller" exklusiv einen Mini-Auszug aus meinem alten Fußball-Frühwerk "Kicker" zum Besten gab und mich damit in die Herzen der selbstironischen Eidgenossen spielte:
"Kicker sind zu alt mit Mitte 30
und stehen dann im Ab-Seits,
müssen nun in der Landesliga spielen
oder sogar in der Schweiz."
Als Ausgleich für das viele Rumreisen musste ich den September erst mal mit zwei Auftritten in Bochum beginnen: Gestern Abend Open Air beim Bochumer Musiksommer schlug ich mich tapfer angesichts herbstlicher Temperaturen und lauter Nebenan-Bühnen und sammelte eine beachtliche Schar stehender, zuhörender, wohlwollender, gutaussehender Menschen vor mir auf dem Boulevard. Und vorgestern hatte ich beim ersten "Zeltfestival Ruhr" u.a. das Vergnügen, die Essen-Hymne "No Woman in Kray", manchem durch mich und/oder meinen Kollegen und "Co-Autoren" Ludger K. bekannt, im Quartett mit eben diesem sowie mit Hennes Bender und Ingo Appelt vor etwa 600 Comedyfans darzubieten. Falls das jemand gesehen hat und eigentlich gern begeistert seine Amateurvideoaufnahme davon bei Youtube reinstellen würde, was aber allein daran scheitert, dass er oder sie eine solche Aufnahme gar nicht gemacht hat, möge er oder sie mir diskret eine Mail schreiben...
27.07. 08
"Kaum zu glauben aber wahr,
die neue Homepage ist jetzt da!"
Endlich ist es geschafft! Ab heute ist diese meine neue Homepage am Start! Das Design ist total verändert, auch redaktionell, also inhaltllich, hat sich so einiges getan, und viele neue Funktionen bieten Möglichkeiten zum Angucken, Anhören, Anklicken.
Und das Tollste ist: Selbst ich Technik-Vollpfosten kann jetzt höchstselbst hier drin rumschreiben. Was ich bisher programmiersprachenbeherrschenden Nerds überlassen musste, liegt jetzt mit in meiner Hand. Daher auch diese neue Rubrik "Der Künstler hat das Wort". Da möchte ich mich nun ständig meiner Fangemeinde zuwenden und jeden Tag - obwohl, naja, oder jeden Monat - neue Sachen schreiben, interessante Tour-Erlebnisse, wichtige Neuigkeiten, oder einfach nur, was mir gerade so durch den Kopf geht.
Ich freue mich sehr auf und über Rückmeldungen im - haha, auch brandneu - Gästebuch.
Auch in Zukunft werde ich aber neben der intensiven Pflege meiner Homepage noch zum Auftreten kommen, hoffe ich zumindest, denn viele Termine, auf die ich mich auch sehr freue, stehen schon fest. Und das mit gleich zwei Programmen, denn seit kurzem gibt's neben der bewährten "Anmache" mein neues Solo mit dem fröhlichen Titel "Lieder wo am Ende jemand stirbt". Und dazu erscheint Ende September auch eine amtliche CD. Mit dem fröhlichen Titel "Lieder wo am Ende jemand stirbt". Detailliertere Infos über besagten Tonträger demnächst an dieser Stelle.
Hochmotiviert und mitten im Arbeitseifer sehe ich also der näheren Zukunft entgegen, freue mich auf meine kommenden Aufgaben und hoffe, damit auch so einige Kabarett-, Komik-, Lieder- und Poesieinteressierte begeistern und mitreißen zu können!
Herzliche Grüße
Christian Hirdes
P.S. Wer auch immer mir auf Norderney die "gemischte Tüte zu drei Mark" auf den Flügel gestellt hat - vielen Dank!
